Fell & Haut

Hund kratzt sich ständig – Ursachen & was helfen kann

Nahaufnahme eines Dalmatiners mit schwarzen Flecken, der spielerisch den Kopf neigt und in die Kamera blickt.

Dr. Irene Bruckner

03.06.20264 Min Lesezeit

Wenn Hunde sich mehr kratzen als üblich, stecken oft Parasiten, Unverträglichkeiten, trockene Haut, ein Nährstoffmangel oder Stress dahinter. Jede Ursache braucht eine andere Antwort – deshalb ist die richtige Einschätzung der erste Schritt. Danach kann gezielte Nährstoffversorgung die körpereigene Hautfunktion von innen unterstützen.

Es ist das Geräusch, das viele Hundehalter:innen nachts um den Schlaf bringt: Das rhythmische, hektische Kratzen. Immer wieder. An denselben Stellen. Manchmal bis die Haut gerötet ist.

Ständiges Kratzen gehört zu den häufigsten Gründen, weshalb Hunde zu Tierärzt:innen gebracht werden – und gleichzeitig zu den frustrierendsten, weil die Ursachen so verschieden sein können. Parasiten. Unverträglichkeiten. Trockene Haut. Nährstoffmangel. Stress. Manchmal eine Kombination aus allem. Was beim einen Hund hilft, funktioniert beim nächsten nicht – weil es einfach nicht dieselbe Ursache ist.

In diesem Artikel erfährst du, woran du die häufigsten Ursachen erkennst, wann du unbedingt zur Tierärztin solltest – und welche Nährstoffe aus Wissenschaft für die Erhaltung normaler Hautfunktionen bekannt sind.

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Zuerst: Wann gehört das zum Tierarzt?

Anhaltendes, starkes Kratzen gehört immer abgeklärt. Nicht weil es automatisch etwas Ernstes bedeutet – sondern weil die richtige Maßnahme von der Ursache abhängt, und die lässt sich ohne Untersuchung nicht zuverlässig bestimmen.

Direkt zur Tierärztin, wenn:

  • der Hund sich blutig kratzt oder beißt

  • offene Wunden, Krusten oder kahle Stellen entstehen

  • der Juckreiz plötzlich und stark auftritt

  • Schwellungen, Rötungen oder Hitzegefühl dazukommen

  • der Hund trotz Maßnahmen keine Besserung zeigt

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Die häufigsten Ursachen – und wie du sie unterscheidest

1. Parasiten: der klassische erste Verdacht

Flöhe, Milben, Herbstgrasmilben – Parasiten sind die naheliegendste Erklärung für plötzlichen, starken Juckreiz, besonders wenn er saisonal auftritt oder an bestimmten Körperstellen konzentriert ist. Flöhe hinterlassen oft schwarze Punkte im Fell (Flohkot), Milben sind hingegen mit freiem Auge nicht sichtbar. Wichtig: Auch wenn kein Parasit sichtbar ist, schließt das einen Befall nicht aus. Vor allem Sarcoptes-Milben sind mikroskopisch klein und lösen starken Juckreiz aus – auch ohne sichtbare Hautveränderungen. Parasitenschutz aktuell? Das ist der erste Check – und wird erstaunlich oft übersprungen.

2. Futtermittelunverträglichkeiten und Umweltreaktionen

Wenn kein Parasitenbefall vorliegt und das Kratzen chronisch oder wiederkehrend ist, lohnt sich ein genauerer Blick auf mögliche Unverträglichkeiten. Unterschieden wird zwischen Reaktionen auf Futterbestandteile – häufig bestimmte Proteine wie Rind, Huhn oder Weizen, oft kombiniert mit Verdauungsproblemen – und Reaktionen auf Umweltfaktoren wie Pollen, Hausstaubmilben oder Schimmel, die sich saisonal oder dauerhaft zeigen, bevorzugt an Pfoten, Bauch, Ohren und Gesicht. Die Ursachenfindung ist aufwändig und gehört in tierärztliche Hände. Futtermittelunverträglichkeiten werden über einen strukturierten Eliminationstest diagnostiziert – keine spontanen Futterumstellungen, die das Ergebnis verfälschen.

3. Trockene Haut und geschwächte Hautbarriere

Trockene Luft, zu häufiges Baden mit ungeeignetem Shampoo, Nährstoffmangel oder genetisch empfindlichere Haut – all das kann die natürliche Schutzfunktion der Haut beeinträchtigen. Wenn die Lipidschicht der Haut nicht intakt ist, verliert sie Feuchtigkeit schneller und wird anfälliger für Reize. Erkennungszeichen: Schuppen, rissige oder schuppige Haut, stumpfes Fell, Kratzen ohne erkennbaren äußeren Auslöser.

Was unterstützen kann: Omega-3-Fettsäuren – besonders EPA und DHA aus Lachsöl – tragen laut mehreren kontrollierten Studien zur Unterstützung der epidermalen Lipidbarriere und zur Erhaltung normaler Hautfunktionen bei. Eine randomisierte Doppelblindstudie (Thieme Veterinärmedizin, 2021) zeigte bei Hunden mit eingeschränkter Hautfunktion nach 12 Wochen eine graduelle Verbesserung der Haut- und Fellqualität. Der Effekt ist real – er braucht aber Zeit. Vier bis acht Wochen konsequenter Gabe, bevor ein Unterschied sichtbar wird.

Für die Hautbarriere von innen: Lachsöl (EPA & DHA) aus norwegischem Atlantiklachs, 10 % Hanföl (Omega-6, Omega-9), Vitamin E Zur Erhaltung normaler Haut und eines glänzenden Fells – besonders in Phasen mit erhöhtem Bedarf.
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4. Nährstoffmangel: wenn der Körper von innen zu wenig bekommt

Die Haut ist das größte Organ des Hundes – und gleichzeitig das letzte, das bei knapper Nährstoffversorgung versorgt wird. Der Körper priorisiert innere Organe. Fell und Haut bekommen, was übrig bleibt.

Biotin (Vitamin B7) ist biochemisch direkt an der Fettsäuresynthese beteiligt – also an der Produktion jener Lipide, die die Hautbarriere zusammenhalten. Außerdem unterstützt Biotin die Keratinproduktion, das Strukturprotein von Fell, Haut und Krallen. Zink als Glycin-Zinkchelat unterstützt die normale Zellteilung und die Erhaltung der Hautbarriere – und wird in bioverfügbarer Chelatform besser aufgenommen als anorganische Varianten. MSM liefert organischen Schwefel für die Keratinbildung. Hyaluronsäure unterstützt die Feuchtigkeitsversorgung der Haut von innen. In Kombination zeigen diese Nährstoffe – belegt durch einen Ernährungsreview der Veterinärmedizin (Eisenschenk, Vet Clin Small Anim, 2024) – die stärkste Wirkung auf die Erhaltung normaler Hautfunktionen.

MSM, Zink als Glycin-Zinkchelat, Biotin, Hyaluronsäure, Vitamin E sowie B-Vitamine und SelenZur Erhaltung normaler Haut und eines glänzenden Fells – besonders beim Fellwechsel und bei sensibler Haut.
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5. Stress: der unterschätzte Auslöser

Hunde können sich aus Stress oder mangelnder Auslastung exzessiv kratzen, beißen und lecken – auch ohne körperliche Ursache. Besonders häufig: Pfotenlecken als Stressreaktion, oft begleitet von Haarausfall oder verändertem Fressverhalten. Der Grund liegt in der Verbindung zwischen Nervensystem und Haut – Darm, Immunsystem und Haut kommunizieren über physiologische Achsen miteinander, und anhaltende Anspannung kann die Barrierefunktion der Haut beeinflussen.

Baldrian, Magnesium, L-Tryptophan und B-Vitamine sind gut belegte Nährstoffe zur Unterstützung der normalen Nervenfunktion und des inneren Gleichgewichts – besonders in herausfordernden Situationen wie Reisen, Umzug oder Veränderungen im Alltag. Wenn alle körperlichen Ursachen ausgeschlossen sind und das Kratzen in Stressphasen zunimmt, lohnt sich ein Blick in diese Richtung.

Baldrian, Hopfen, Melisse, Ginseng, L-Tryptophan, Magnesium und B-Vitamine. Für Hunde, die sensibel auf Umweltreize reagieren – zur Unterstützung der normalen Nervenfunktion in herausfordernden Situationen.
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Was du konkret tun kannst

Ursache eingrenzen – bevor du handelst

Parasiten ausschließen. Futter beurteilen. Stress im Alltag bewerten.

Konsequenz und Zeit

Mikronährstoffe brauchen vier bis acht Wochen regelmäßiger Gabe, bevor ein Unterschied in der Fellqualität sichtbar wird. Die Haut erneuert sich in Zyklen. Wer nach zwei Wochen aufgibt, hat dem Körper keine faire Chance gegeben.

Äußere Einflüsse nicht vergessen

Nicht zu häufig baden schützt die natürliche Talgschicht. Mildes Hundeshampoo verwenden. Trockene Heizungsluft im Winter durch Luftbefeuchter ausgleichen. Kontakt mit möglichen Auslösern beobachten.

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Fazit

Ständiges Kratzen hat fast immer eine Ursache – ist die Ursache bekannt, kann eine gezielte Nährstoffversorgung dort ansetzen, wo sie sinnvoll ist: Omega-3 für die Hautbarriere, Biotin und Zink für die normale Hauterneuerung, Baldrian und Magnesium für das innere Gleichgewicht in stressigen Phasen. 

Lächelnde Frau mit Sonnenbrille auf dem Kopf, die auf einer Couch sitzt und einen fröhlichen Corgi mit heraushängender Zunge im Arm hält.

Dr. Irene Bruckner

Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik

Irene widmet sich seit vielen Jahren mit Leidenschaft der Tiergesundheit – in ihrer eigenen Praxis genauso wie bei BIOGENA PETS, wo sie an innovativen Produkten für Hunde und Katzen arbeitet. Bei ihr Zuhause leben natürlich auch Fellnasen – ihre eigenen Hunde und Katzen. Ob im Tierschutz, bei Seminaren oder in der PETS-Community: Sie liebt es, ihr Wissen rund um Tierernährung, Gesundheit & Wohlbefinden zu teilen.

FAQs

Häufig gestellte Fragen

Quellen:

Eisenschenk MN. Diet, nutrition, and supplements in canine atopic dermatitis. Vet Clin Small Anim. 2024;54(6):1605–1620.

Thieme Veterinärmedizin. Randomisierte Doppelblindstudie: EFA-angereicherte Diät bei eingeschränkter Hautfunktion. 12 Wochen, 31 Hunde. 2021.

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